Demenz

Vergessen auf Raten

Mann mitte 40 mit grauen Haaren

Demenz. Demenzkranke müssen meist intensiv betreut werden. Angehörige sind damit oft überfordert. Darum benötigen sie Hilfe. Lesen Sie hier, wo Sie diese Hilfe bekommen können.

 

Normalerweise ist eine Demenz eine schleichende Erkrankung, bei der Gehirnzellen nach und nach schlechter funktionieren und auch zugrunde gehen können. Einschränkende Auswirkungen sind oft erst nach Jahrzehnten sichtbar oder spürbar. Betroffene können unter anderem immer mehr die Fähigkeit zu denken verlieren. Fachleute sprechen dabei von sogenannten kognitiven oder mentalen Fähigkeiten. Je weiter die Krankheit voranschreitet, desto mehr Alltagskompetenzen gehen verloren. Hinzu kommt, dass die Persönlichkeit sich verändern kann. Wird eine Demenz durch Schlaganfälle, Verletzungen und dergleichen ausgelöst, treten die Leistungseinschränkungen dagegen plötzlich auf. In Deutschland leiden derzeit über 1,6 Millionen Menschen an einer Demenz. Pro Jahr wird eine Demenz bei ungefähr 300.000 Menschen neu diagnostiziert.

 

Prof. Dr. Michael J. Fallgatter

Unser Interviewpartner:

Prof. Dr. Michael J. Fallgatter

Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Tübingen.

Der Beginn

Die ersten Anzeichen einer Demenz sind häufig Störungen des Gedächtnisses. Zunächst wird das Kurzzeitgedächtnis immer schwächer, dann werden auch weiter zurückliegende Ereignisse oder Fakten nicht mehr gut oder gar nicht erinnert. Der Verlust von Raum- und Zeitgefühl und starke Wortfindungsschwierigkeiten sind oft Kennzeichen einer schon vorangeschrittenen Erkrankung. In schweren Stadien werden nahe Anverwandte nicht mehr erkannt oder immer wieder verwechselt.

Geist und Körper

Eine fortschreitende Demenz verändert und zerstört die Persönlichkeit der betroffenen Patienten. Ihnen geht häufig der eigene Antrieb verloren. Davon sind zunächst Freizeitaktivitäten und dergleichen betroffen. Wenn die Krankheit weiter voranschreitet, vernachlässigen Demente Haus und Heim, später die Hygiene und ihren Körper. Und weil die Kontrolle über den Körper nach und nach verloren geht, sind schwer Demenzkranke stark sturzgefährdet. Hinzu können Verhaltensstörungen wie Apathie, Depressionen, ungezügelte Aggression, Schlaflosigkeit, Angstzustände, aber auch Halluzinationen und übertriebene Euphorie kommen.

Der gute Wille

„Die Pflege von Demenzkranken ist oft eine sehr große Herausforderung“,

sagt Prof. Dr. med. Andreas Jochen Fallgatter, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Tübingen. „Daher empfehlen wir Angehörigen, rechtzeitig auf Ihre Grenzen zu achten und Hilfe von außen hinzuzunehmen, um sich selbst in der Pflege zu entlasten. Pflege ist ein Marathon, und es nützt dem Demenzkranken nichts, wenn pflegende Angehörige wegen chronischer Überlastung selbst gesundheitliche Probleme bekommen.“

Die Beratung

Eine Demenz-Erkrankung wirkt sich nach und nach auf alle Lebensbereiche aus. Daher müssen alle Lebensbereiche der Patienten auf sie ausgerichtet und angepasst werden. „Je früher diese Anpassungen vorgenommen werden, umso leichter fällt die Eingewöhnung“, betont Prof. Fallgatter. „Wir raten dringend dazu, dass sich Patienten und Angehörige durch Spezialisten beraten lassen.“ Diese erkennen rasch und zuverlässig was zu tun ist und können entsprechende Empfehlungen aussprechen. Sie helfen auch dabei, die notwendigen Anträge bei den Krankenkassen zu stellen.

Die Unterstützung

In Deutschland kümmern sich der Staat, die Krankenkassen, die Kliniken, private Initiativen und viele weitere Institutionen und Einrichtungen um die Beratung und Unterstützung bei Demenz-Erkrankungen. Meist reicht schon ein kurzer Blick ins Internet unter „Demenz und Beratung“ um die richtigen Anlaufstellen zu finden. Das Portal „www.wegweiser-demenz.de“ des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend bieten verlässliche Informationen und einen guten Überblick über das Beratungsangebot.