ADHS

So unterstützen Sie Ihr Kind zu Hause

Kindergesicht traurig spiegelt sich im Fenster

ADHS. Diese Abkürzung steht für Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom. Der Begriff Syndrom bezeichnet eine Kombination von verschiedenen Krankheitszeichen beziehungsweise Symptomen. Beim ADHS sind dies eine Aufmerksamkeitsschwäche, eine hohe Impulsivität und eine ungewöhnlich starke Bewegungsunruhe. Hier ist die Abgrenzung zwischen noch normalen und bereits behandlungsbedürftigen Kindern und Jugendlichen schwierig. Das sagt auch ein Experte auf dem Gebiet, Dr. Burkhard Neuhaus: „Erst wenn Kinder tatsächlich unter den ADHS-Symptomen leiden, sollte man behandeln“. Dr. Neuhaus ist Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover. Daneben ist er unter anderem Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. In InnenLeben informiert er rund um das Thema ADHS bei Kindern.

 

Dr. Burkhard Neuhaus

Unser Interviewpartner:

Dr. Burkhard Neuhaus

Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover.

In Deutschland leiden etwa vier Prozent der Kinder unter ADHS. Zu den häufigsten Symptomen gehören Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität. „Vieles hiervon äußert sich bereits im Kleinkindalter. Erste sichtbare Konsequenzen können Probleme mit anderen Kindern oder verhältnismäßig häufige Verletzungen sein. Häufig werden die Symptome nach der Einschulung im Vergleich zu anderen Kindern deutlich“, berichtet Dr. Neuhaus und fügt hinzu: „Betroffene Kinder sitzen beispielsweise nicht ruhig auf ihrem Stuhl, stehen im Unterricht auf oder sind schnell abgelenkt. Das führt schließlich zu Problemen“.

 

Fachleute helfen

Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollten Eltern, die solche Symptome bei ihren Kindern beobachten, frühzeitig Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie aufsuchen. „Wir machen bei den Kindern dann eine sorgfältige Diagnostik. Das geht von der genauen Beobachtung über intensive Gespräche und Fragebögen bis hin zu Befragungen von Personen mit denen sie regelmäßig Kontakt haben“, erläutert Dr. Neuhaus.

 

Behandlung? Unbedingt!

Nicht immer sind die Symptome des ADHS vollständig ausgeprägt. So gibt es beispielsweise Unterformen, die lediglich die Unaufmerksamkeit beinhalten. „Abhängig von der Ausprägung, sollte ein ADHS behandelt werden. Andernfalls können sich vielschichtige Probleme entwickeln“, rät Dr. Neuhaus. „Der schulische Erfolg und der soziale Kontakt können leiden. Kinder scheitern öfter – und das kann das ganze weitere Leben beeinträchtigen“.

 

Geduld, Verständnis und Regeln

Die gute Nachricht lautet: Den Kindern kann heutzutage geholfen werden. Eine Voraussetzung dafür ist, dass Eltern mitziehen: Das Wichtigste im Rahmen der Behandlung ist eine liebevolle und verlässliche Unterstützung. Ein übermäßiger Perfektionismus sollte dringend vermieden werden. Die Kinder brauchen Zeit, sich in die richtige Richtung zu bewegen. Dabei helfen informative Gespräch über das ADHS. „Es sind oft kleine Schritte zum Erfolg. Eltern sind dabei sehr wichtig.“, sagt Dr. Neuhaus. „Klare Regeln für Alltagssituationen sind genauso wichtig wie Rückmeldungen über positives Verhalten“. Es gilt also aufmerksam zu sein: Sitzt das Kind beispielsweise für seine Verhältnisse lange ruhig am Tisch, sollte ein Lob nicht fehlen.

 

Stimulanzien helfen

In jedem Fall sollten Eltern die verschiedenen Möglichkeiten im Rahmen einer Therapie kennenlernen. Der behandelnde Arzt steht dabei stets vermittelnd zur Seite. „Teilweise können schon vermeintlich einfache Maßnahmen die Kinder unterstützen. So kann ein Platzwechsel in der Klasse – von hinten nach vorne – die schulische Aufmerksamkeit erleichtern“, so Dr. Neuhaus. Häufig empfehlen die Experten zusätzlich die Einnahme unterstützender Medikamente – meist sogenannte Stimulanzien. „Es handelt sich um über Jahrzehnte erprobte Wirkstoffe. Bei guter fachlicher Begleitung müssen Eltern davor keine Angst haben“, erklärt Dr. Neuhaus und ergänzt: „Stimulanzien können die Symptome deutlich reduzieren und dem Kind den Alltag erheblich erleichtern“.

 

 

ADHS bei Kindern – die Therapie im Überblick

 

Die Therapie steht auf drei Säulen:

  1. Aufklärung und Beratung
    Ziel ist es, über die ADHS aufzuklären, so dass alle beteiligten Personen – vor allem Eltern und das Kind selbst – verstehen, was ADHS ist und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
  1. Psychotherapie
    Neben der psychotherapeutischen Behandlung des Kindes wird versucht, im gesamten sozialen Umfeld des Kindes Einfluss zu nehmen bzw. zu helfen. Dazu zählen etwa Elterntrainings und schulische Unterstützung
  1. Medikamentöse Unterstützung
    Abhängig von der Belastung durch die Symptomatik werden begleitende Medikamente eingesetzt. In der Regel handelt es sich um Stimulanzien.