Editorial

Psychische Erkrankung: Wer rechnet schon damit?

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

seit kurzem gibt es diese Internetseite rund um das seelisches Wohlbefinden mit dem Namen „InnenLeben“! Wir wollen aufklären, das Schweigen brechen und all diejenigen erreichen, die mittel- und unmittelbar mit psychiatrischen Problemen kämpfen. InnenLeben versteht sich als praxisnaher Ratgeber. Wir informieren wo es nottut. Wir helfen jedem auf möglichst einfache Art, die unterschiedlichen Krankheitsbilder mentaler Gebrechen zu verstehen. InnenLeben spricht mit allen Beteiligten, den Betroffenen, den Angehörigen und vor allem auch mit den Experten. Im Fokus des Magazins stehen journalistisch aufbereitete Informationen über Symptome, Diagnose und Therapiemöglichkeiten. Und gute Gründe hierfür gibt es viele!

 

So kam eines Nachts ein Hilferuf am Telefon. Ich machte mich augenblicklich auf den Weg. Das darauffolgende Gespräch am Küchentisch dreht sich dann rundherum im Kreis. Oft ist mein lieber Freund, der sonst so klar mit Sprache umgeht, gar nicht mehr zu verstehen: Verdächtigungen, Verfolgungsphantasien, allgemeines Misstrauen und grundlose Angst. Er ist sich sicher: Die gesamte Stadt, in der wir leben, habe sich verändert. Man beobachte ihn mit allgemeiner Feindseligkeit. Ich versuche, zu beschwichtigen und zu beruhigen, schlage schließlich ärztliche Behandlung vor. Und so werde ich augenblicklich selbst zu Zielscheibe seiner Anschuldigungen: „Auch du hast dich verändert, bist mir nicht mehr wohlgesinnt! Ich bin doch nicht verrückt!“ Es ist kein Herankommen an ihn, auch nach Stunden des Redens nicht, und ich bin rat- und machtlos. Weiß nicht weiter. Fühle mich allein.

 

Dabei ist er kein Einzelfall. Über zehn Millionen Menschen sind in Deutschland psychisch krank. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen seelischen Leiden. Allen gemein ist meist ein Empfinden der Hilflosigkeit. Man fühlt sich ausgeliefert – egal ob als Betroffener, Angehöriger, Freund oder Mitarbeiter. Nur die wenigsten können damit umgehen – weil sachdienliche Informationen fehlen. Seelische Leiden tauchen in den Medien lediglich als Grund für Straftaten oder für den Selbstmord einer Person des öffentlichen Lebens auf. Hintergründe sind nicht bekannt, denn es wird geschwiegen. Aufklärung gibt es kaum, und selten ist sie umfassend! Dabei könnte man manchen Klinikaufenthalt vermeiden, würden schon bei den ersten Anzeichen der Erkrankung Maßnahmen ergriffen. Das geht aber nur, wenn man sich der drohenden Krise rechtzeitig bewusst wird. Und dazu verhilft allein das nötige Wissen.

 

Deshalb haben wir uns entschlossen, dieses Online-Magazin, mit freundlicher Unterstützung der Otsuka Pharma GmbH und der Lundbeck GmbH,  herauszugeben. Denn mit fachkundiger Hilfestellung gibt es Wege aus den Verstrickungen der Seele. Und so gibt es guten Grund zur Hoffnung. Trotz alledem – und auch für meinen lieben Freund!

 

Herzliche Grüße

Ihr

Dietmar Kupisch