Schizophrenie

Depotspritze oder Tablette

Illustration Depotspritze oder Tablette

SCHIZOPHRENIE. Müssen Medikamente gegen die Schizophrenie eingesetzt werden, stellt sich die Frage: Depot oder Tabletten? Vor und Nachteile gegenübergestellt, gewinnt aus Expertensicht meist die Spritze.

 

Die Schizophrenie ist eine potenziell lebensbedrohende Erkrankung. Daher muss eine akute schwere Psychose heute meist auch mit sogenannten Neuroleptika beziehungsweise Antipsychotika angegangen werden. Diese Medikamente wirken im Gehirn. Dort beeinflussen sie unter anderem die Botenstoffe Dopamin und Serotonin so, dass die Krankheitssymptome zurück gedrängt oder ganz beseitigt werden. „Wenn die akute Phase der Schizophrenie überwunden ist, muss mit dem Patienten entschieden werden, wie das Risiko eines Rückfalls eingedämmt werden kann“, sagt Dr. Bettina Jäpel, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Stellvertretende Ärztliche Direktorin der Psychiatrie und Psychotherapie des ZfP Südwürttemberg in Bad Schussenried. „Dafür können wir auf zahlreiche, sehr gut wirkende Medikamente zurückgreifen.“ Studien zeigen eindrucksvoll, dass antipsychotische Medikamente nicht nur die Rückfallhäufigkeit stark vermindern, sondern auch die Schwere der Psychosen im Fall der Fälle absenken können.

Dr. Bettina Jäpel

Unsere Interviewpartnerin:

Dr. Bettina Jäpel

Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Stellvertretende Ärztliche Direktorin der Psychiatrie und Psychotherapie des ZfP Südwürttemberg in Bad Schussenried

Die richtige Wahl

Welche Medikamente letztlich eingesetzt werden, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Ganz wesentliche Kriterien sind dabei das Alter, die Lebensumstände der Patienten und die Schwere der Erkrankung. Ziel ist, dass die Lebensqualität der Patienten so weit wie möglich erhalten bleibt. „Dafür müssen die Symptome so gut wie möglich kontrolliert und im Schach gehalten werden“, betont Dr. Bettina Jäpel. „Wie überall in der Medizin müssen wir ganz genau den Nutzen und die Nebenwirkungen gegeneinander abwägen. Denn Antipsychotika haben zum Teil starke Nebenwirkungen.“ Dazu gehören, Gewichtszunahme, Gleichgültigkeit, starke Müdigkeit, Bewegungs- und Konzentrationsstörungen. Alle Wirkstoffe der Neuroleptika können als Tabletten eingenommen werden. Viele sind auch als sogenannte Depotspritze verfügbar. Die Tabletten werden in der verschriebenen Dosis täglich genommen. Die Depotspritze wird, je nach Medikament, im Abstand von 14 Tagen bis vier Wochen vom Arzt in den Oberarm oder Po gesetzt.

Das Risiko eindämmen

Das Rückfallrisiko kann nur dann wirksam eingedämmt werden, wenn die Medikamente auch tatsächlich in der verordneten Dosis eingenommen beziehungsweise verabreicht werden. „Genau daran scheitern aber viele Patienten“, sagt Dr. Bettina Jäpel. „Denn unter den Medikamenten geht es den Patienten augenscheinlich gut. Sie fühlen sich wohl, die Krankheit tritt in den Hintergrund und die Nebenwirkungen schränken die Lebensqualität ein. Das ist oft der genau Moment, wenn die Medikamente vergessen oder bewusst, ohne Rücksprache mit dem Arzt, von den Patienten abgesetzt werden.“ Die Folge ist, dass Patienten einen völlig vermeidbaren oder deutlich stärkeren Rückfall der Psychose erleiden können. 

Depot oder Tablette

„Grundsätzlich spielt die Darreichungsform für die Wirkung der Medikamente keine Rolle“, betont Dr. Bettina Jäpel. „Am Ende muss der Patient mit dem Arzt gemeinsam entscheiden, wie er die Medikamente nehmen will, wenn die Wahl zwischen Depotspritze und Tablette gegeben ist.“ Für die Tabletten spricht, dass die Dosierung rasch und gut an aktuelle Veränderungen angepasst werden kann. Hinzu kommt, dass die Tabletten vom Patienten selbständig genommen werden können. Darin kann allerdings auch ein Problem liegen, denn es besteht immer die Gefahr von Über- oder Unterdosierungen.

 

Für die Depotspritze spricht, die hohe Sicherheit sowie Gleichmäßigkeit der Dosierung und damit eine gleichmäßige Wirkung auf die Symptome. Hinzukommt, dass eventuelle Wechselwirkungen mit Getränken und Speisen ausgeschlossen sind. Zudem ist Dosis des Wirkstoffs bei der Spritze tendenziell geringer als bei der Tablette. Allerdings kann die Dosis innerhalb eines Zyklus zwischen zwei Spritzen nicht verändert werden. Entscheiden sich Patienten, mit ihrem Arzt, für eine Umstellung von Tabletten auf die Depotspritze, werden die Tabletten entweder sofort oder innerhalb von 14 Tagen bis drei Wochen gegen die Depotspritze ausgetauscht. Mediziner sprechen von der sogenannten Überlappungszeit. Dr. Bettina Jäpel ergänzt: “So wird sichergestellt, dass der Wirkstoff immer in ausreichender Menge zur Verfügung steht und die Symptome der Schizophrenie unter Kontrolle bleiben können.“