Kolumne

Demokratie für Außenseiter

Malerei Clown mit Brille

 

Ich war immer gern allein, und früher glaubte ich, ich wäre eine Minderheit. Mit meiner Psychose dann erst recht. Ich fühlte mich als ein einzelner Verrückter unter Millionen von normalen Bürgern. Unter lauter anderen, die funktionieren, war ich dieses Siebenhundertstel Promille, das in keine rechte Schublade gehört. Der, der nirgendwo hinpasst. Der, der irgendwie verloren hat. Deshalb war ich auch noch nie zu einer Wahl. Ja, was, wenn  es einen Sieg mit genau einer Stimme Unterschied gäbe! Meine Stimme! Angenommen, ich wäre der eine, durch den sich alles dann entscheidet… ich wär das Zünglein an der Waage. Man stelle sich das vor!

 

 

Meiner Meinung nach darf man auf Grundlage meiner Stimme nicht wirklich eine Regierungsmehrheit bilden. Die Regierung eines einflussreichen Staates – legitimiert durch einen einzigen Verrückten… Das geht doch nicht. Dachte ich jedenfalls.

 

Das war so, bis ich anfing, diese Kolumne hier zu recherchieren. Dabei musste ich feststellen, dass es noch andere wie mich gibt: Jeder dritte Deutsche ist mindestens einmal im Leben psychisch erkrankt. Wir sind also verdammt viele. Alle zusammengenommen sind wir quasi eine Volkspartei. Wir könnten regieren. Ich wäre dann der Kanzler. Apropos Volkspartei: Was muss man tun, um bei uns auszutreten?