Behandlung von Depressionen

Das Internet nutzen

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DEPRESSIONEN. Online Anwendungen rücken immer weiter in den Vordergrund. Bankgeschäfte, Einkäufe und Arztbesuche per Internet sind heute schon gang und gäbe. Lesen Sie in InnenLeben wie Online-Therapieprogramme dabei helfen können, auch Depressionen besser im Griff zu halten.

 

Dr. med. Christoph Florange

Unsere Interviewpartner:

Dr. med. Christoph Florange

Direktor der Klinik für Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie in Leichlingen.

Florian S. aus Wuppertal spürt wie es ihm immer besser geht. Die Depression hat ihn nicht mehr völlig im Griff. Langsam aber sicher bekommt er sie besser zu fassen. Endlich ist er wieder in der Lage, den Tag selbst in die Hand zu nehmen. Auch die Frage, was kommt nach dem stationären Aufenthalt, gewinnt mehr Raum. „Das ist genau der Moment, in dem wir das Online-Therapieprogramm deprexis24 ansprechen“, sagt Dr. med. Christoph Florange, M. Sc., Direktor der Klinik für Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie in Leichlingen. „Denn zwischen der Entlassung aus der Klinik und dem Beginn der regelmäßigen ambulanten Psychotherapie können Wochen und Monate vergehen, die es therapeutisch zu überbrücken gilt.“

Die Therapie absichern

Der Patient bearbeitet mit dem Programm zehn Module aus dem Bereich der kognitiven Verhaltenstherapie. Darunter sind zum Beispiel Methoden zur Verhaltensaktivierung, zur Förderung der Akzeptanz, Achtsamkeit oder Techniken zur Entspannung. Diese hat der Patient zum Teil bereits in der stationären Phase kennen und anzuwenden gelernt. Das Programm praktiziert individuelle Gespräche, die alle das Ziel haben, die negativen Auswirkungen einer Depression besser in den Griff zu bekommen. „Mit diesem Online Therapieprogramm können wir unsere klinische Therapie über den Entlassungszeitpunkt hinaus ein Stück weit verlängern und damit auch absichern“, betont Dr. Florange. „Die Rückmeldungen der Patienten und unsere Erfahrungen mit dem Programm sind durchweg positiv. Nahezu alle Patienten nutzen deprexis24 und arbeiten sich von Modul zu Modul bis zum Schluss hindurch. Diese gute Nutzungsquote zeigt uns deutlich, dass das Programm etwas bewirkt“.

Der Patient bleibt nie allein

Eine Woche vor der Entlassung besprechen die Experten deprexis24 im Detail und schalten es anschließend frei. „Dabei achten wir darauf, dass die sogenannte Cockpit-Funktion auf jeden Fall mit aktiviert wird“, sagt Dr. Florange. „So können wir beobachten, wann und wie oft der Patient das Programm nutzt. Wie es dem Patienten gesundheitlich geht zeigt uns eine Stimmungskurve.“ Diese Funktion ist aus zwei Gründen ganz wichtig: Zum einen weiß der Patient, dass er nicht alleine gelassen wird. Denn über die Assistenz- oder Cockpit-Funktion steht er nach wie vor mit der Klinik in Kontakt. „Während der Beratung zu diesem Online-Therapieprogramm haben wir Regeln zwischen mir und der Klinik ausgemacht, was zu tun ist, wenn die Stimmungskurve zu stark absinkt“, sagt Florian S. „Es ist beruhigend, dass noch jemand auf mich achtet, obwohl ich schon entlassen bin.“ Zum anderen kann der Therapeut eingreifen, wenn etwas völlig aus dem Ruder läuft.

Das richtige Programm finden

Im Internet sind zahlreiche unterstützende Programme und Apps zu finden, die bei Depressionen Betroffenen helfen sollen und können. „Dabei das richtige Programm zu finden, ist für Laien oft nicht leicht oder gar unmöglich“, sagt Dr. Florange. „Daher rate ich unbedingt dazu, dass sich Patienten von einem Psychotherapeuten oder Arzt helfen lassen.“ Grundsätzlich rät der erfahrene Arzt, dass die Programme mindestens drei Qualitätsmerkmale erfüllen sollten.

 

Das Programm oder die App sollte

  1. als medizinisches Produkt zertifiziert sein. Das ist am CE Zeichen erkennbar.
  2. unbedingt interaktiv sein. Das heißt, das Programm passt den Fortgang, die Art und Intensität der Therapieunterstützung auf den jeweiligen Patienten und seine momentane Situation an.
  3. eine Assistenzfunktion anbieten, die den Krankheitsstatus für einen Arzt oder Psychotherapeuten sichtbar macht. So kann der Arzt auf Verschlechterung achten und oft rechtzeitig eingreifen.